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Resilienz und Sinnempfinden im Arbeitsalltag

  • Melanie Faltermeier
  • 17. Juli
  • 5 Min. Lesezeit

Definition, Zusammenhang, 7 Säulen der Resilienz, Praktische Tipps, Warum Sinn schützt

Kennst du das Gefühl, dass der Job manchmal wie ein Marathon wirkt? Die To-Do-Liste wächst, die Anforderungen steigen, und die nächste Veränderung steht schon vor der Tür. Gerade in solchen Momenten zeigt sich, wie wichtig Resilienz – unsere innere Widerstandskraft – und ein klares Sinnempfinden im Arbeitskontext sind. Aber was bedeuten diese Begriffe eigentlich? Und wie können sie uns im Arbeitsalltag helfen?

Eine orangefarbene Blume wächst aus einem Riss im Asphalt – ein Symbol für Widerstandskraft und Hoffnung in schwierigen Umgebungen. Die Bildkomposition vermittelt Resilienz und das Aufblühen trotz widriger Umstände.

Was ist Resilienz und warum brauchen wir sie im Job?

Resilienz ist die Fähigkeit, auch bei Stress, Rückschlägen oder Krisen handlungsfähig und optimistisch zu bleiben. Sie hilft uns, schwierige Situationen nicht nur zu überstehen, sondern daran zu wachsen. Resiliente Menschen nehmen Herausforderungen an, lernen aus Fehlern und finden immer wieder neue Wege, Lösungen zu entwickeln (Masten, 2014).


Im Arbeitskontext bedeutet das:

  • Wir lassen uns von Druck oder Veränderungen nicht dauerhaft aus der Bahn werfen.

  • Wir bleiben flexibel, auch wenn Pläne sich ändern.

  • Wir können mit Konflikten und Unsicherheiten konstruktiv umgehen.


Das Beste daran: Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft, sondern lässt sich gezielt stärken – zum Beispiel durch Reflexion, den Austausch mit anderen und das Entwickeln neuer Bewältigungsstrategien.Wissenschaftlich belegt: Eine systematische Übersichtsarbeit von Robertson et al. (2015) zeigt, dass gezieltes Resilienztraining die psychische Gesundheit und Arbeitszufriedenheit signifikant verbessert – unabhängig von Branche oder Hierarchieebene.


Sinnempfinden – mehr als nur ein „Nice-to-have“

Sinnempfinden beschreibt das Gefühl, dass unsere Arbeit eine tiefere Bedeutung hat und zu etwas Größerem beiträgt. Es ist ein zentraler Baustein für Motivation, Gesundheit und Zufriedenheit im Job. Wer den Sinn in der eigenen Tätigkeit erkennt, bleibt engagiert, kreativ und auch in schwierigen Zeiten am Ball (Steger, Dik & Duffy, 2012).


Studien zeigen:

  • Menschen mit starkem Sinnempfinden sind weniger anfällig für Stress und Burnout (Soucek & Voss, 2020).

  • Sie erleben häufiger positive Emotionen und berichten von einer höheren Lebenszufriedenheit.

  • Sinnempfinden wirkt wie ein psychologischer Schutzschild – gerade in herausfordernden Zeiten.


Martela & Steger (2016) unterscheiden drei Dimensionen von Sinn: Kohärenz (das Leben ergibt einen Sinn), Zielgerichtetheit (ich weiß, wofür ich arbeite) und Bedeutsamkeit (mein Tun hat Gewicht). Alle drei tragen nachweislich zur Resilienz am Arbeitsplatz bei.


Wie hängen Resilienz und Sinn zusammen?

Resilienz und Sinnempfinden verstärken sich gegenseitig. Wer weiß, warum er*sie morgens aufsteht, kann auch in schwierigen Phasen besser durchhalten. Sinn gibt Orientierung, wenn der Alltag turbulent wird, und hilft uns, Rückschläge als Teil einer größeren Entwicklung zu sehen.


Das zeigen auch die Daten:

Fredrickson et al. (2003) fanden heraus, dass Menschen mit starkem Sinnempfinden in Krisenzeiten schneller gesunde Bewältigungsstrategien entwickeln und resilienter bleiben.

Seligman (2011) beschreibt im PERMA-Modell, dass Sinnstiftung – neben positiven Emotionen, Engagement, Beziehungen und Erfolg – ein zentrales Element für das persönliche Aufblühen ist.


Drei zentrale Mechanismen spielen dabei eine Rolle:

  • Resilienz als Schutzfaktor: Menschen mit starkem Sinnempfinden entwickeln schneller gesunde Bewältigungsstrategien und sind widerstandsfähiger gegenüber Stress.

  • Selbstwirksamkeit: Wer die eigene Arbeit als sinnvoll erlebt, traut sich mehr zu und bleibt auch bei Rückschlägen motiviert.

  • Soziale Einbindung: Gemeinsame Werte und Ziele stärken das Teamgefühl und fördern gegenseitige Unterstützung.


Die 7 Säulen der Resilienz – praktischer Kompass für den Arbeitsalltag

Resilienz ist ein vielschichtiges Konzept, das sich in verschiedene Kernfähigkeiten gliedern lässt. Die sogenannten 7 Säulen der Resilienz bieten eine hilfreiche Orientierung, um die eigene Widerstandskraft gezielt zu stärken. Hier ein kurzer Überblick – mit Beispielen, wie sie im Joballtag wirken können:

  1. Optimismus

    Die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen eine positive Grundhaltung zu bewahren. Im Job bedeutet das, Herausforderungen als Chancen zu sehen und motiviert zu bleiben.


  2. Akzeptanz

    Annehmen, was nicht zu ändern ist, statt dagegen anzukämpfen. So kannst du Stress reduzieren und dich auf das konzentrieren, was du beeinflussen kannst.


  3. Lösungsorientierung

    Probleme aktiv angehen und nach praktikablen Lösungen suchen – statt in der Krise stecken zu bleiben.


  4. Selbstverantwortung (Verlassen der Opferrolle)

    Die Kontrolle über das eigene Handeln übernehmen und sich als Gestalter*in der eigenen Situation sehen.


  5. Netzwerkorientierung

    Auf Unterstützung und Austausch mit KollegInnen und FreundInnen setzen. Denn soziale Beziehungen stärken unsere Widerstandskraft.


  6. Zukunftsplanung

    Klare Ziele setzen und Schritt für Schritt darauf hinarbeiten, um Orientierung und Motivation zu schaffen.


  7. Selbstreflexion und Selbstwirksamkeit

    Sich selbst gut kennen, die eigenen Stärken nutzen und aus Erfahrungen lernen.

Diese Säulen sind keine starren Regeln, sondern Fähigkeiten, die sich trainieren lassen – und die sich gegenseitig verstärken. Wenn du zum Beispiel deine sozialen Kontakte pflegst (Netzwerkorientierung), fällt es dir oft leichter, optimistisch zu bleiben oder Lösungen zu finden.

Praktische Tipps: So stärkst du Resilienz und Sinn im Arbeitsalltag

Für dich persönlich:

  • Reflektiere regelmäßig: Was motiviert dich? Welche Aufgaben geben dir Energie? Was möchtest du bewirken?

  • Setze dir erreichbare Ziele: Kleine Erfolgserlebnisse stärken dein Selbstvertrauen und zeigen dir, dass du etwas bewegen kannst.

  • Suche Austausch: Sprich mit Kolleg:innen über Sinnfragen und Herausforderungen. Gemeinsam findet ihr oft neue Perspektiven.

  • Achte auf dich: Gönn dir Pausen, Bewegung und kleine Auszeiten. Sie sind wichtig für deine Widerstandskraft.


Für Teams und Führungskräfte:

  • Teile die Vision: Zeige, wie jede*r Einzelne zum großen Ganzen beiträgt. Das stärkt das Wir-Gefühl.

  • Fördere Mitgestaltung: Lass Mitarbeitende Verantwortung übernehmen und eigene Ideen einbringen.

  • Wertschätze Erfolge: Anerkennung – auch für kleine Schritte – motiviert und verbindet.

  • Schaffe Raum für Entwicklung: Biete Möglichkeiten zur Weiterbildung und persönlichen Entfaltung.


Ein Blick in die Wissenschaft: Warum Sinn schützt

Die Positive Psychologie und die Logotherapie nach Viktor Frankl betonen, dass das Streben nach Sinn eine Grundmotivation des Menschen ist. Gerade im Arbeitskontext kann Sinn auf verschiedene Weise entstehen: durch schöpferisches Tun, durch Beziehungen oder durch die bewusste Haltung zu Herausforderungen.


Laut einer aktuellen Analyse in der ASU Arbeitsmedizin (Soucek & Voss, 2020) ist Resilienz ein entscheidender Faktor für die Bewältigung von Veränderungen und Belastungen in modernen Arbeitswelten. Wong (2012) hebt hervor, dass Sinnempfinden wie ein psychologischer Schutzschild wirkt – gerade in stürmischen Zeiten. Menschen, die einen Sinn in ihrer Arbeit sehen, sind besser in der Lage, Stress zu bewältigen und bleiben langfristig gesünder.


Fazit: Sinn macht stark – dich und dein Team

Sinnempfinden ist kein Luxus, sondern eine zentrale Ressource für psychische Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Wer den Sinn im Job erkennt, bleibt resilient, motiviert und kann auch in stürmischen Zeiten gelassen bleiben. Unternehmen, die Sinn und Resilienz fördern, schaffen ein Arbeitsumfeld, in dem Menschen gerne ihr Bestes geben. Und das zahlt sich für alle aus.

Gute Nachricht:
Du bist stärker, als du denkst! Resilienz und Sinnempfinden sind keine festen Eigenschaften, sondern Fähigkeiten, die du Schritt für Schritt entwickeln kannst.

Dieser Beitrag wurde von Sindy Müller verfasst und von Melanie Faltermeier veröffentlicht.


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Quellen:

Fredrickson, B. L., Tugade, M. M., Waugh, C. E., & Larkin, G. R. (2003): What good are positive emotions in crises? A prospective study of resilience and emotions following the terrorist attacks on the United States on September 11th, 2001. Journal of Personality and Social Psychology, 84(2), 365–376.


Martela, F. & Steger, M. F. (2016): The three meanings of meaning in life: Distinguishing coherence, purpose, and significance. The Journal of Positive Psychology, 11(5), 531–545.


Masten, A. S. (2014). Ordinary magic: Resilience in development. Guilford Press.


Robertson, I. T., Cooper, C. L., Sarkar, M., & Curran, T. (2015): Resilience training in the workplace from 2003 to 2014: A systematic review.


Seligman, M. E. P. (2011): Flourish: Wie Menschen aufblühen – Die Positive Psychologie des gelingenden Lebens.


Schlett, C., Soucek, R., & Schütz, A. (2018): Der Einfluss von Resilienz auf qualitative Formen der Arbeitszufriedenheit. Diagnostica.


Soucek, R. & Voss, J. (2020): Veränderungen der Arbeitswelt und Bedeutung von Resilienz im Arbeitskontext. ASU Arbeitsmedizin Sozialmedizin Umweltmedizin.


Steger, M. F., Dik, B. J., & Duffy, R. D. (2012). Measuring meaningful work: The Work and Meaning Inventory (WAMI). Journal of Career Assessment, 20(3), 322–337. https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1069072711436160


Vanhove, A. J., Herian, M. N., Perez, A. L., Harms, P. D., & Lester, P. B. (2016): Can resilience be developed at work? A meta-analytic review of resilience-building programme effectiveness.


Wong, P. T. P. (2012): The human quest for meaning: Theories, research, and applications.

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